Unsere Herzen schlagen für irische Musik

By Morten Alfred Høirup |

Ein Gespräch mit dem dänischen Trio Tradish, das sein Leben der Musik gewidmet hat, sich von ihr inspirieren lässt und sich durch deren positive Energie in Hochstimmung bringt.

„Wir kommen gerade aus Göteburg, wo wir gestern Abend ein Konzert gegeben haben, das ganz fantastisch lief. Dort gibt es eine Gruppe, die wöchentliche Samsessions organisiert. Ich gab einen Gitarren und Bouzuki-Workshop, Luise einen Violinen- und Brian bot einen Bodhrán-Workshop an. Unser Konzert spielten wir dann am Abend und nach dem Konzert gab es eine große Jamsession, wo viel gutes Bier floss und nette Menschen um uns herum waren, die zum Teil tanzten. Und plötzlich begann ein Bursche aus Deutschland noch Dudelsack zu spielen, das war ein wirklich klasse Abend!”

Drei ganz verschiedene Konzerte

Ich habe die Mitglieder der dänischen Band Tradish, John Pilkington (Gitarre, Bouzuki und Gesang), Luise Vansgaard (Violine, Bratsche und Gesang) und Brian Woetmann (Bodhrán, Percussion und Gesang) zu einer Tasse Kaffe eingeladen, um mich mit ihnen über ihr Trio und über ihr Leben als Reisende in Sachen irischer Folkmusik zu unterhalten.

Wir treffen uns in meiner Wohnung in Frederiksberg, Kopenhagen, und als sie nach 4-5 stündiger Fahrt von Göteborg, Schweden hier eintreffen, ist es, als fege ein Wirbelwind durch meine Wohnung.

Tradish ist eine von Dänemarks, ja vielleicht des nördlichen Europas, meist beschäftigte Band in Bezug auf irische Musik, mit Konzerten unter anderem in Dänemark, Schweden, Norwegen, Deutschland, Grönland und Tschechiens. Sie sprechen von sich selbst als eine Band mit ”tiefen Respekt für die starke und vielseitige irische Musiktradition.” Aber ebenso empfinden sie sich ”als Teil dieser lebendigen Tradition, die sich stets auf der Suche nach neuen Richtungen befindet und dabei immer offen für neue Ideen und neugierig auf frische Inspirationen ist.”

Ich lotse sie gleich in meine kleinen Küche, um mit ihnen bei einer Tasse Kaffee über ihre letzte Tour zu plaudern. Gerade sind sie von einer Tournee aus Schweden zurückgekehrt. Unmittelbar vorher waren sie in Grönland, so dass sie ständig ”high” sind auf Grund der vielen Erlebnisse mit der Musik und den Meschen.

John Pilkington kommt ursprünglich aus Manchester, England, hat jedoch vieleJahre lang in Dänemark gewohnt und gespielt. Er war von Anfang an bei Tradish, als sich das Trio 2009 gründete. Er ist es auch, der die Touren organisiert. Wie er da in der Küche sitzt, berichtet er vergnügt und noch immer in Hochstimmung über das Konzert in Göteborg vom letzten Wochenende. Es kommt anschaulich rüber, dass es eine gute Tour gewesen sein muss.

”Ja, und was uns dabei am besten gefallen hat war, dass es sich bei den Auftritten um drei völlig unterschiedliche Konzerte auf einer einzigen Tournee handelte,” wirft Brian Woetmann ein. ”Das erste fand in einem feinen Theatersaal mit ebenso feinen Leuten statt – sie waren total lieb und nett – und sie schauten, wie man das eben so im Theater tut, es war ganz nobel. Der nächste Auftritt war in einer Kneipe, in der es bereits hoch herging. Da mussten wir uns richtig ins Zeug legen, und auf die Leute zugehen, um sie auf unsere Musik aufmerksam zu machen. Es war nämlich ein total gemischtes Publikum, wo einige Leute gekommen waren, um uns zu hören. Viele waren aber auch nur deswegen dort, weil sie eben die Kneipe mochten. Und an unserem letzter Auftrittsort, von dem John erzählte, gings an den Kern der Sache für den wir rumreisen und unsere Musik spielen. Hier kamen die Leute, um irische Musik zu hören und um zu sehen, was für Typen wir sind.”

Roots and shoots

Tradish ist eine mobile kleine Band, die gerne reist und die an unterschiedlichen Veranstaltungsorten und auf verschiedenen Festivals spielen kann. Ihr Fundament ist die traditionelle Musik, die sie in diversen Bands viele Jahre gemeinsam gespielt haben. Jeder für sich hat aber auch innerhalb anderer Stilrichtungen gearbeitet. wie beispielsweise Rock, Roots- und Worldmusik.

Momentan sind sie ganz aktuell mit ihrem zweiten Album „Roots and Shoots“, das eine wohlarrangierte Mischung aus irischen Quellen und neukomponierter Musik und Liedern ist. Hier kann man gut heraushören, wie sich die Band von anderen Stilrichtungen beeinflussen lassen hat. So zum Beispiel bei Wally Pages „Sixteen Jolly Ravers“, das einen Touch Russland und Balkan beinhaltet. Oder Brian Woetmanns „China Charter“, das sich wie eine Mischung von Irish Folk, Avantgarde Jazz und Kurt Weill anhört.

Louise Vangsgaard spielt Geige und Bratsche und singt bei Tradish. Schon lange ist sie von irischer Volksmusik fasziniert. Doch sie hat auch mit traditioneller nordischer Lieder- und Volksmusik gearbeitet und war damit auf Tournee. Im Übrigen verfügt sie über enorme Erfahrung als professionelle Lehrerin.

„Unsere Herzen schlagen für die irische Musik. Doch, wie unser Name schon sagt, spielen wir nicht ausschließlich Irish Folkmusik. Wir reichern sie mit eigenen Liedern und Melodien an und mögen besonders an ihr, dass sie sich so gut von anderen kulturellen Einflüssen inspirieren lässt. Da wir uns innerhalb verschiedener Stilrichtungen bewegen, können wir so unser eigenes Leben in die Musik einfließen lassen.“ Und John hakt ein: „und wir reisen mit kleinem Gepäck. Wir benötigen keine große Ausrüstung, kein großes Setup. Ich hab die Gitarre und die Bouzuki, Louise ihre Geige und Brian hat eine gute Lösung für seine Percussion-Ausrüstung gefunden. Er packt alles in eine große Kiste, die so in den Kofferraum passt und die er auch beim Fliegen aufgeben kann. Auf diese Art haben wir große Teile Europas besucht und überall begegnen wir Menschen, die irische Musik auf ihre eigene Art spielen. Es ist ganz fantastisch, wie sich diese Musik in den letzten 200 Jahren über die ganze Welt verbreitet hat. Und wir sind ganz begeistert von der Tatsache, dass egal, wo man hinkommt, die Musik ihre eigene Prägung hat. In Tschechien bemerkten wir beispielsweise, dass sie einen speziellen „Balkansound“ übernommen hat. Wir trafen Sintis, die die irische Musik auf ihre ganz eigene Weise spielten und genauso ist es in Norwegen. Ich denke, alle diese Irish-Folk-Fans während unserer Reisen kennenzulernen, ist Inspiration an sich. Und diese Inspiration ist in unser neues Album Roots and Shoots eingeflossen.“

Die jungen Leute

Die Kaffeetassen sind fast geleert und mir ist bereits aufgefallen, dass Brian, auf den kleine Kinder zu Hause warten, auf seine Uhr schielt. Es ist auch an der Zeit, dass das Trio die letzten 400 km heimwärts nach Aarhus in Angriff nimmt. Dass sie sich ein wenig ausruhen können, bevor sie erneut losziehen. Aber davor muss ich noch schnell hören, wie es weitergehen wird.

„Nun, wir reisen weiter in der großen Welt herum….“ erzählt Louise und fährt fort: “Gerade waren wir in Grönland, kommenden Sommer werden wir in Tschechien sein. In Dänemark, Norwegen und Schweden reisen wir ständig herum. Wir lieben es mit unserer Musik und unseren Geschichten unterwegs zu sein!“

„Ganz sicher werden wir uns wieder nordwärts bewegen“ ergänzt John. „Wir sind gerade von dieser fantastischen Grönland-Tour nach Hause gekommen und haben deutlich gespürt, dass man dort nicht sehr viel über irische Volksmusik wusste. Für uns war das so, als dürften wir eine weiße Leinwand bemalen. Es gab keine Vorurteile und es gab niemanden der kam und fragte: „könnt ihr vielleicht mal Whisky in the Jar spielen?“ Nichts in dieser Art geschah dort. Sie kamen einfach mit einer wunderbaren Offenheit, gerade auch die Jugendlichen. So zum Beispiel in Katuaq in Nuuk, als all die jungen Leute ganz dicht an die Bühne kamen und zu Tanzen begannen. Sie hatten keine Ahnung, was ein Reel oder ein Jig bedeutete, keiner hatte ihnen gesagt, wie man dazu tanzt. Aber schon nach ein paar Nummern fanden sie es ganz von selbst heraus. Und sie hüpften ausgelassen herum und spürten ganz natürlich die positive Energie, die in der Musik steckt. Es ist die gleiche Energie, die man selber beim Spielen empfindet, immer dann, wenn`s richtig fetzt wenn die Begeisterung einen völlig high macht. Das ist`s was wir versuchen immer hinzubekommen, das ist`s, was wir lieben. Als wir da oben in Grönland die Jugendlichen erlebten, wie sie genau das erfassten, war das einfach überwältigend!“

Zurück im Band-Bus

Brian Woetmann hat, während John über Tradish` Nordtour-Pläne berichtete, mit entrücktem Blick in die Luft geschaut und sagt nun beinahe träumerisch: „Aber wir sind gezwungen in ein Jagdgewehr zu investieren, denn bald werden wir oben in Svalbard (nördl. Teil Norwegens) sein und dort leben die großen Eisbären und die sollen nicht ganz ungefährlich sein…“

Alle lachen bei dem Gedanken an eine kleine dänische Band Rücken an Rücken mit all ihren Instrumenten, nördlich vom Polarkreis in der Mitternachtssonne, umgeben von hungrigen Eisbären. Und auf einmal sind alle flugs die Treppe runter, genau so schnell, wie sie gekommen sind, hin zum Band-Bus, um sich auf den Heimweg zu ihren Familien und Freunden nach Aarhus zu begeben.

In den kommenden Monaten haben alle die Gelegenheit eine kleine Band kennenzulernen, deren Herz für die irische Musik schlägt.

Tradish präsentiert auf Veranstaltungen und Festivals unter anderem in Dänemark, Tschechien und nicht zuletzt in Norwegen ihr neues Album Roots and Shoots.

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